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Nachgerechnet: So teuer sind Nullprozentfinanzierungen

Händler und Hersteller bewerben ihre Fahrzeuge gerne mit Ratenzahlungsangeboten. Bequeme Monatsraten ohne zusätzliche Finanzierungskosten – das Angebot klingt meist besser, als es ist. Barzahler können mit einem Autokredit im Rücken hohe Rabatte aushandeln und fahren unterm Strich deshalb günstiger.

Die Kalkulation lässt sich intuitiv nachvollziehen: Finanzierungskosten fallen bei Ratenzahlungen immer an, auch wenn explizit keine Zinsen verlangt werden. Die Finanzierungskosten werden bei Nullprozentfinanzierungen im Kaufpreis versteckt. Noch genauer: Sie verstecken sich in dem Rabattpotenzial, das bei Inanspruchnahme der Händlerfinanzierung aufgegeben wird.

Barzahler erhalten bis zu 25 % Rabatt!

Für Händler und Hersteller ist das ein gutes Geschäft. Die Vertriebsprofis wissen, dass Ratenzahlungsangebote zu optisch günstigen Zinssätzen Käufern den Mut zu engagierten Preisverhandlungen nehmen.

Viele Verbraucher unterschätzen ihre eigene Bonität und sind froh, überhaupt ein Ratenzahlungsangebot wahrnehmen zu können. Dabei sind die Kreditvergaberichtlinien im Autohaus nicht anders als bei Banken. Das liegt nicht zuletzt daran, dass nicht der Händler selbst, sondern eine Partnerbank die Finanzierung abwickelt.

Es ist kein Geheimnis, dass der ausgewiesene Listenpreis von Fahrzeugen bei fast allen Herstellern deutlich zu hoch angesetzt ist. Preisnachlässe von bis zu 25 % sind keine Seltenheit. Wer das nicht glaubt, werfe einen Blick in Finanzpresse: Im Zusammenhang mit Aktien von Automobilherstellern wird immer wieder erwähnt, mit welchen Preisnachlässen der Absatz angekurbelt werden soll.

Ab einem welchem Rabatt rechnet sich ein Bankkredit?

Rabatte in diesem Umfang sind allerdings nicht erforderlich, damit sich ein Bankkredit lohnt. Schon ab Preisnachlässen von etwa 10 % finden Verbraucher mit durchschnittlicher Bonität (festes Einkommen, keine negativen Schufaeinträge) Ratenkredite, mit denen die Finanzierung des Händlers geschlagen werden kann.

Ein Fallbeispiel: Ein Händler biete einen Kredit über 20.000 Euro mit 48 Monaten Laufzeit zu 0,00 % Zinsen p.a. an. Die Monatsrate beträgt (gerundet auf volle Euro) 417 Euro. Nun kann ausgehend von der Monatsrate ermittelt werden, welcher Preisnachlass auf den Kaufpreis des Fahrzeuges mit einem Autokredit erforderlich ist.

Bei einem Kreditzins von 5,21 % kann mit 48 Monatsraten zu je 417 Euro ein Kreditbetrag von 18.075 Euro finanziert werden. Bei einem Rabatt auf den Listenpreis von 9,6 % ist der Ratenkredit genauso teuer wie die Händlerfinanzierung. Übersteigt der Preisnachlass 9,6 %, ist der Bankkredit die bessere Alternative.

Händlerfinanzierung Bankkredit
KFZ Listenpreis 20.000 € 20.000 €
Effektivzins 0,0 % 5,21 %
Laufzeit 48 Monate 48 Monate
Monatsrate 417 € 417 €
Nettokreditbetrag 20.000 € 18.075 €
Sparpotenzial ± 3.000 €

Je höher der Kreditzins, desto größer muss der Rabatt ausfallen, damit sich der Bankkredit im Vergleich zur Händlerfinanzierung lohnt. Bei einem – alltäglichen – Rabatt von 15 % muss der Bankkredit bereits mehr als 8 % Zinsen im Jahr kosten, damit die Händlerfinanzierung die günstiger Variante ist.

Viele Händler setzen auf Niedrigzinsfinanzierungen mit optisch niedrigen statt gar keinen Zinsen. Häufig wird z.B. ein Effektivzinssatz von 2,99 % ausgewählt. Dann führt bereits ein Preisnachlass von 4,3 % dazu, dass ein Bankkredit mit 5,21 % Zinsen im Jahr die günstigere Variante ist.

Mehr Auswahl bei Barzahlung

Barzahler genießen einen weiteren Vorteil: Viele Nullprozent- und Niedrigzinsfinanzierungen werden von Händlern und Herstellern im Rahmen fertig geschnürter Pakete („Aktionsausstattung“) angeboten. Änderungen bei der Ausstattung oder eine eigenständige Auswahl von Fahrzeugfinanzierungen sind dann nicht oder nur eingeschränkt möglich.